SCHWARZ AUF GRÜN

Eigentlich keine Farbkombination, die man an der Schilcherweinstraße in der Südsteiermark erwarten würde. Zwischen Weinreben, Wiesen und Wäldern setzen die Tiny Häuser von Hapfn einen markanten Kontrast. Tiefschwarz heben sie sich aus der Landschaft hervor und schaffen dabei etwas Bemerkenswertes: Trotz ihrer auffälligen Erscheinung wirken sie hier nicht fremd. Sondern erstaunlich selbstverständlich.
Blick auf eines der Tiny Houses von Hapfn. Die Fassade Vulcano Black fügt sich wie von selbst in die Landschaft des steirischen Schilcherlands ein.
Hapfn eingebettet in der Landschaft des steirischen Schilcherlands. © Max Mauthner

Wer an Regionalität denkt, hat meist sofort ein Bild vor Augen. Holz. Warme Brauntöne. Almhütten. Bauernhäuser. Gebäude, die aussehen, als wären sie schon immer da gewesen. Schwarz taucht in dieser Vorstellung mittlerweile eher selten auf. Dabei ist die Natur voller dunkler Töne: In der Erde nach einem Sommerregen. Im Schatten alter Wälder. In verwitterter Baumrinde. Oder im Feuer, das Holz verkohlt und ihm einen völlig neuen Charakter verleiht.

Heimische Lärche zur kohlrabenschwarzen Fassade von Hapfn gebrannt. Vulcano Black von Mareiner tritt in einen spannenden Dialog mit ihrer Umgebung und interpretiert die Optik des südweststeirischen Bauernhauses neu.
Eines der Tiny Häuser mit einzigartiger Mareiner Vulcano-Fassade © Max Mauthner

VON WEGEN BRAUNTÖNE

Die eigentliche Frage lautet ohnehin anders: Was macht ein Gebäude regional? Ist es die Farbe? Die Form? Die Oberfläche? Oder sind es vielmehr die Materialien, die Menschen und die Geschichten dahinter? Ein Gebäude wird nicht regional, weil es aussieht wie früher. Ein Gebäude wird regional, wenn es dort entsteht, wo seine Wurzeln liegen. Wenn Materialien aus der Region stammen. Wenn Handwerk aus der Region kommt. Wenn Wertschöpfung dort bleibt, wo das Projekt entsteht. Regionalität ist keine Stilrichtung, die nach bestimmten Farben verlangt. Regionalität ist eine Haltung.

Genau deshalb passt Hapfn so gut an die Schilcherweinstraße. Nicht, weil die Tiny Häuser eine bestimmte Farbe tragen. Sondern weil hinter ihnen derselbe Gedanke steht, der das gesamte Projekt prägt: Vertrautes neu zu interpretieren, regionale Ressourcen zu nutzen, regionale Partner einzubinden und gemeinsam etwas zu schaffen, das Bestand hat. Die reduzierte Architektur greift die Formensprache des südweststeirischen Bauernhauses auf und denkt sie zeitgemäß weiter. Eine neue und gleichzeitig vertraute Optik, die sich mühelos in die Region einfügt.

Für die Fassaden kommt Douglasie zum Einsatz. Holz aus einer steirischen Region, dem Mürztal, in der der Wald seit jeher prägend ist. Veredelt in St. Marein. Eingesetzt für die Fassade von Hapfn im steirischen Schilcherland.

Detailansicht einer verkohlten Holzfassade aus Mareiner Vulcano bei Hapfn im steirischen Schilcherland. Die tiefschwarze Fassade weist eine markante Schuppenstruktur auf.
Vulcano Black: Ihr Charakter zeigt sich im Detail.
© Max Mauthner

Schwarzbrennen erlaubt

Aus Douglasie wird bei Mareiner Vulcano Black. Eine Fassade, die ihre besondere Optik dem Feuer verdankt. Tiefschwarz. Elegant. Charakterstark. Und genau deshalb funktioniert Vulcano Black bei Hapfn so gut. Die Fassade tritt in einen spannenden Dialog mit ihrer Umgebung und interpretiert die Optik des südweststeirischen Bauernhauses neu. Sie hebt sich ab, ohne sich aufzudrängen. Sie setzt einen Akzent, ohne übertrieben zu sein. Vielleicht gerade deshalb wirken die Tiny Häuser nicht wie Fremdkörper in der Landschaft, sondern wie eine zeitgemäße Antwort auf die Frage, wie Regionalität heute aussehen kann.

Ein Material soll sein,
was es vorgibt zu sein.
Michael Knappitsch von Hapfn
Hapfn von außen. Mareiner Vulcano Black fügt sich stimmig zu den Farben jeder Jahreszeit in die Landschaft ein.
Die tiefschwarze Farbe fügt sich in jeder Jahreszeit
scheinbar mühelos in die Landschaft ein.
© Max Mauthner

ALTE WURZELN, NEUE STÄMME

Wir sehen: Regionalität muss nicht aussehen wie gestern. Auf traditionellen, steirischen Wurzeln dürfen bei Mareiner neu gedachte regionale Stämme wachsen. Und manchmal sind diese eben tiefschwarz. Hapfn zeigt eindrucksvoll, dass Regionalität und Innovation keine Gegensätze sind. Im Gegenteil: Dort, wo beides zusammenkommt, entstehen oft die spannendsten Projekte. Oder anders gesagt: Schwarz auf Grün passt erstaunlich gut.