CHARAKTERSACHE: HOLZ MIT GESCHICHTE

Der Name ist Programm:
Altholz aus Schlierbach ist Österreichs Branchenpionier – und seit kurzem Teil
von Mareiner. Ein Porträt.

Je nach Fahrtrichtung geht es kurz vor oder nach der schmucken, kleinen Bezirksstadt Kirchdorf von der Kremstal-Bundesstraße auf einer dynamisch gewellten Straße Richtung Schlierbach. Direkt unterhalb des Orts, der sonnseitig über dem Tal liegt, führt der Weg ins Altholz-paradies links hinunter Richtung Kremsufer, um sich nach der Unterquerung der Pyhrnbahn scharf rechts zu wenden. Ein paar Meter weiter heißt das Altholz-Firmenschild an der Einfahrt auf dem ehemaligen Sägewerksgelände willkommen. Die Besucherparkplätze liegen direkt vor dem Bürogebäude, das nach Schichtplatten-Prinzip konstruiert ist: außen Holz, innen Holz, dazwischen eine Mittelschicht aus Stahl. Denn das Altholz-Verwaltungs- und Geschäftszentrum ist in Wirklichkeit eine Container-Konstruktion, die wie in Österreich nicht selten vom Provisorium zur Dauerlösung wurde. „Eines Tages haben wir uns dann gesagt, dass wir den schnöden Containern schon aus unseren ästhetischen Ansprüchen heraus eine Altholz-Fassade verpassen müssen“, sagt Altholz-Geschäftsführer Armin Hirsch, der seine Gäste gerne über das verwinkelte Gelände führt.

Für den Rundgang werden Warnwesten gereicht. Der Staplerverkehr hält sich zwar in Grenzen, aber sicher ist sicher und Vorschrift ist Vorschrift. Dienst nach Vorschrift macht bei Altholz allerdings niemand, weil die Belegschaft ein Kollektiv ausgesprochener Individualist/innen
ist, das Eigenverantwortung großschreibt, mitdenkt und sich bei der Arbeit ins Zeug legt. Das ergibt eine Mischung aus lässiger Entspanntheit und Ergebnisorientierung, wie man sie eher in einer hippen digitalen Algorithmenschmiede und weniger in einem Betrieb der holz-verarbeitenden Branche erwarten würde.

DIE SCHWEIZ HAT IHRE EIGNEN GESETZE

In dieser Branche genießt das von Hubert Baumgartner 1997 gegründete Unternehmen noch immer einen Ausnahmestatus. Im Gegensatz zu den frühen Jahren gibt es mittlerweile zwar schon zahlreiche Mitbewerber, doch in puncto Know-how und Sortimentsbreite wie -tiefe sind die Schlierbacher noch immer die unangefochtene Nummer eins. Und als solche auch nicht so leicht einzuholen: Altholz-Arbeit ist kniffliger, als man als Laie oder Laiin meinen möchte.

Was auf den mit lauter Musik gerockten Freilagerplatz links vom Bürogebäude angeliefert wird, hat zwar schon vielen Jahrzehnten Wind, Wetter und anderweitiger Beanspruchung getrotzt, will aber doch gefühlvoll, pfleglich und mit Sachverstand behandelt werden, um ein zweites Leben in Häusern und Chalets sowie in der Einrichtungsgestaltung und im Möbelbau führen zu können. Meistens außerhalb von Österreich: Die Exportquote von Altholz liegt seit jeher bei annähernd 80%. Was zum einen auf die frühe Internetpräsenz des Unternehmens zurückzuführen ist. Und zum anderen auf die speziellen Bedingungen in der Schweiz und in Frankreich – zwei traditionellen Hauptmärkten für den Altholz-Export. „In Frankreich wird Altholz sehr geschätzt, ist aber lokal in größeren Mengen kaum zu beziehen. Altholz aus Österreich wird jedoch auch aufgrund historischer Beziehungen insbesondere mit der Region Rhônes-Alpes eben dort in großen Mengen verarbeitet“, informiert Armin Hirsch. Auch in der Schweiz, einem der Hauptmärkte für Altholz mit besonders hohen Qualitätsansprüchen, konnte sich Altholz Baumgartner mit seinen Produkten einen außergewöhnlich guten Ruf erarbeiten.

SCHLIERBACH: DER NEUE MAREINER PRODUKTIONS-STANDORT IN SACHEN ORIGINALES ALTHOLZ // © ALTHOLZ.NET

WELTLÄUFIGE WARE

Womit sich die französischen und Schweizer Kund/innen in Oberösterreich eindecken, stammt jedoch schon lange nicht mehr vorwiegend aus Österreich. Die Zeiten, in denen die Schlierbacher selbst alte Gebäude demontierten, sind seit 2016/17 vorbei: „Bei einem Abbruch fällt viel Material an, das man nicht brauchen, aber auch nicht auf der Baustelle liegen lassen kann“, erklärt Armin Hirsch, „das war einfach nicht mehr wirtschaftlich.“

Mittlerweile stammt das verarbeitete Holz neben Österreich aus allen ehemaligen Kronländern der Habsburger Monarchie und wird großteils unter sehr genauen Spezifikationen von spezialisierten Abbruchunternehmen oder kleineren Händlern zugekauft.

Bei Altholz wird das frisch eingetroffene alte Holz zuallererst per Hochdruckreiniger mit reinem Wasser gesäubert. Anschließend wird sortiert, wobei jedes Brett, jeder Balken und jeder Sparren eine individuelle Kontrolle und Kategorisierung durchläuft. Ein Teil des Volumens bleibt Rohware, die zu gleichen Längenbereichen sortiert und für den Verkauf gebündelt wird. Zu handgehackter, sonnenverbrannter oder Ware aus Eiche. Alles andere wird in den Werkstätten und Hallen von Altholz weiterverarbeitet. Das Resultat sind Wand- und Deckenverkleidungen, Fußböden, Tür-Rohlinge, Dreischicht- und Massivplatten, aus denen sich umwerfende Küchenarbeitsflächen, Türen, Tische und andere Möbel mit Anspruch und Stil machen lassen.

DIE BINSENWEISHEIT, DASS KEINE ZWEI BRETTER EXAKT GLEICH SIND, IST NIRGENDWO WAHRER ALS BEI DER ARBEIT MIT ALTHOLZ // © ALTHOLZ.NET

AUF GUTE ZUSAMMENARBEIT

Eine Sonderstellung nehmen die Dreischichtplatten und die arbeitsaufwendigen Intarsien aus der Serie Madame Patina ein, die auf ein alles andere als gewinnorientiertes Kunstprojekt mit dem Kirchdorfer Gestalter Christian Loikits zurückgeht: Diese Platten produziert Altholz nicht selbst, sondern bei und mit dem langjährigen kroatischen Produktionspartner Quant Commerce im Großraum Zagreb. Kennengelernt hat man sich auf der Suche nach altem Eichenholz. „Quant arbeitet zu 90 % und damit fast exklusiv für uns“, weiß Armin Hirsch.

Mit dem Waldviertler Akustikspezialisten Trikustik hat Altholz einen weiteren erstklassigen Partner an der Hand, der aus dem Schlierbacher Altholz Akustikelemente fräst, die sich sowohl akustisch als auch optisch positiv auf das Raumklima von Seminarbereichen, Lokalen und Veranstaltungszentren auswirken.

Bei Altholz hingegen gibt es am Klima nichts zu verbessern: Müsste man ein Erfolgsbeispiel für das gute Zusammenleben und -arbeiten in einer kulturell vielfältigen Gesellschaft suchen, wäre die Altholz-Unternehmung eine heiße Kandidatin – mit Ahmed, Salah und Shadi aus Syrien, Abbas aus dem Irak, Niko und Esad aus Bosnien, Mario aus Kroatien und den im Kremstal aufgewachsenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Wie überall, wo Menschen zusammenarbeiten, gibt es auch bei uns hin und wieder Konflikte, und ein paar von uns sind auch sehr temperamentvoll“, sagt Geschäftsführer Hirsch, „aber spätestens zu Feierabendbeginn ist alles ausgeredet und wieder gut.“

KULINARIK UND KARATE KID

Einige aus der Altholz-Belegschaft – die mit Instandhalter Walter Baier auch einen ehemaligen Karate-Vizeweltmeister in ihren Reihen hat – arbeiten in individuellen Teilzeitmodellen. Weil sie sich bewusst mehr Zeit für ihre Kinder oder ihre Leidenschaften abseits der Holzarbeit nehmen – oder nebenbei eine Landwirtschaft führen. Legendär sind die Grillereien und orientalisch-südosteuropäisch- österreichischen Buffets, wenn es Geburtstage oder Familienzuwachs zu feiern gibt.

Auch Erfolge hat es in der durchaus bewegten Firmengeschichte vielfach zu feiern gegeben, in der im Sommer 2021 ein neues Kapitel begonnen hat, als Gründer Hubert Baumgartner und die anderen bisherigen Miteigner der Altholz Baumgartner & Co GmbH ihre Anteile an Armin Hirsch sowie Mareiner übertragen haben. Es ist nicht das erste Mal, dass Altholz und Mareiner das Vergnügen miteinander haben: Etliche Jahre haben sich die beiden Unternehmen den selben Repräsentanten in Frankreich geteilt und die Entwicklung des jeweils anderen aufmerksam mitverfolgt.

ALTHOLZ- UND MAREINER ALTHOLZ

Auf dringenden Wunsch der Abnehmer beliefert Altholz mehrere Baumarktketten mit Material in kleineren Dimensionen, das perfekt für Heimwerker/innen ist. Dass sowohl das reguläre Altholz-Sortiment als auch die Baumarktware unter dem gleichen Namen und im gleichen Verpackungsdesign ausgeliefert werden, hat wiederholt zu Verwirrung und Verwechslungen geführt.

Das Zusammengehen ist für uns die Lösung,
die wir schon seit längerem gesucht haben.
Armin Hirsch, Geschäftsführer Mareiner Altholz

Indem die Premium-Produkte Schritt für Schritt auf das Label Mareiner Altholz und das Mareiner-Design umgestellt werden, während das Label Altholz unverändert in den Baumärkten weiterlebt, wird schon bald die Klarheit herrschen, die die Kund/innen brauchen. Darüber hinaus profitieren die beiden frisch getrauten Partner wie in jeder guten Ehe voneinander und können zu zweit bewirken, was einer allein nicht schafft: Den Kund/innen ein auf dem Markt einzigartiges Vollsortiment aus Alt- und Neuholz bieten, das keine Wünsche mehr offen lässt.

ARMIN HIRSCH, GESCHÄFTSFÜHRER MAREINER ALTHOLZ // © TONI MUHR
Armin Hirsch

Einen Lebenslauf wie den vom bisherigen Co-Geschäftsführer von Altholz bekommt man selten erzählt: In Wien geboren und einige Jahre in Frohnleiten aufgewachsen, hat Armin in seiner Geburtsstadt Jus studiert und 1998 in der Musikredaktion von Radio NRJ zu arbeiten begonnen. Etwas später sattelte er auf ein Informations- und Wissensmanagementstudium an der FH Eisenstadt um und war anschließend in Österreich und Russland für ein englisches Marktforschungsunternehmen und dessen internationale Kunden (Coca-Cola,…) tätig. Von dort zog Armin in die Raiffeisen-Welt weiter und kümmerte sich im Lagerhaus-Marketing und als operativer Bereichsleiter unter anderem um die Genol-Tankstellen. Ein guter Freund mit Ingenieursdiplom und Berufserfahrung bei Infineon gewann ihn für die gemeinsame Gründung eines Unternehmens mit Spezialisierung auf den Leichtantennenbau z. B. für die Elektroautos von Porsche und BMW, Drohnen-Steuerungenoder den Boxenfunk in der Formel 1 (die Armin mit Leidenschaft mitverfolgt). Als junger Papa landete er schließlich im Raum Linz und wurde auf der Suche nach dem perfekten Fußboden bei Altholz in Schlierbach fündig, wo man 2017 gerade einen Vertriebsleiter suchte – und die freie Stelle im März 2018 schließlich mit Armin Hirsch besetzen konnte.